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Pfarrhaus St. Pauli

OBJ-Dok-nr.: 00005437




Stadt:
Bremen
Bezirk:
Süd
Stadtteil:
Neustadt
Ortsteil:
Alte Neustadt
Straße:
Kleine Annenstraße 1 & 3
Denkmaltyp:
Pfarrhaus
Eintragung:
2022
Listentext:
Kleine Annenstraße 1/3, Pfarrhaus St. Pauli, 1953-1954 von Jan Noltenius
Kurzbeschreibung:
Die evangelische St.-Pauli-Gemeinde wurde bereits 1639 als erste Kirchengemeinde auf dem linken Weserufer der Stadt Bremen gegründet. Ihr erstes, 1682 eingeweihtes Kirchengebäude an der Osterstraße fiel jedoch im Zweiten Weltkrieg einem Bombenangriff zum Opfer. Der Wiederaufbau der Kirche konnte nicht auf demselben Grundstück erfolgen, da die heutige Wilhelm-Kaisen-Brücke ein wenig versetzt zur Vorgängerbrücke neu errichtet wurde und ihre Zufahrt nun einen Teil des Kirchengrundstücks beanspruchte. Nach langwierigen Verhandlungen erhielt die Gemeinde schließlich einen Bauplatz rund hundert Meter weiter westlich an der südlichen Schmalseite des Neuen Marktes. An diesem städtebaulich bedeutsamen Platz entstand ab 1953 in mehreren Abschnitten die heutige Gebäudegruppe der St.-Pauli-Gemeinde, für deren Entwurf der renommierte Bremer Architekt Jan Noltenius verantwortlich zeichnete.°
Im ersten Bauabschnitt wurde das Pfarrhaus an der Kleinen Annenstraße 1 & 3 geplant und ausgeführt. Neben der Pastorenwohnung enthielt es auch eine Schwesternstation sowie Wohnräume für den Gemeindehelfer. In der zweiten, im Jahr 1955 abgeschlossenen Bauphase entstanden das Gemeindehaus sowie ein provisorisches Glockengerüst. Erst im letzten Bauabschnitt wurde die St.-Pauli-Kirche errichtet. Nach deren Weihe im Jahr 1967 hatte das provisorische Glockengerüst ausgedient und die bisher im großen Saal des Gemeindehauses abgehaltenen Gottesdienste konnten in das neue Kirchengebäude verlegt werden.°
Die Funktionsbauten - Pfarrhaus und Gemeindehaus mit großem Gemeindesaal im Obergeschoss - zeichnen sich durch eine zurückhaltende, sachliche Gestaltung aus, die noch die konservative Architektursprache des Heimatstils rezipiert. Die modernen, expressiven Formen des Kirchengebäudes dagegen heben sich auffällig von den übrigen Bauten ab. Zur gleichen Zeit wird sie jedoch durch die einheitliche Materialität in das Ensemble der übrigen Gebäude eingebunden.°
Obwohl die einzelnen Bauten der St.-Pauli-Gemeinde über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt hinweg entstanden sind, bezeugt ihr bis ins Detail aufeinander abgestimmter Gesamteindruck von der ganzheitlichen Planung des Architekten Jan Noltenius. Die Baukörper sind auf gekonnte Weise arrangiert; sie erscheinen locker angeordnet, doch sind sie durch die unterschiedlich aufwendige architektonische Gestaltung, die Größenverhältnisse, die Blickbeziehungen und die Ausbildung von Platzsituationen sorgfältig und wirkungsvoll aufeinander abgestimmt. Die ablesbare Zusammengehörigkeit der Bestandteile trägt zum baukünstlerischen Wert der Gesamtanlage bei. Weiterhin ist der Gebäudegruppe eine große städtebauliche Bedeutung beizumessen. So ist etwa der schlanke, hohe Campanile weithin sichtbar und bildet eine wichtige Höhendominante im Straßenbild der Bremer Neustadt. Die Hauptfassade der Kirche ist mit ihrem Eingangsportal dem Neuen Markt zugewandt, wodurch der Sakralbau im öffentlichen Raum sehr präsent ist. Die städtebauliche Setzung und die Architektursprache sind eng aufeinander abgestimmt und zeugen von der herausragenden baukünstlerischen Leistung des Architekten Jan Noltenius.
Art Dat.:
Herstellung
  Num.-Dat.:
1953-1954
Objekt @ Künstler:
Entwurf
  Architekt/Künstler:
Noltenius, Jan
  Funktion:
Architekt
Sozietät:
Bauherr
  Sozietät Name:
St. Pauli-Gemeinde