Sie sind hier:

Geschäftshaus,Wohnhaus (Bremen Ostertorsteinweg 100 & 101 & 102 & 103 & 104 & 105 & 105A & 106 & 107, Sielwall 1)

OBJ-Dok-nr.: 00000981




Stadt:
Bremen
Bezirk:
Mitte
Stadtteil:
Mitte
Ortsteil:
Ostertor
Straße:
Ostertorsteinweg 100 & 101 & 102 & 103 & 104 & 105 & 105A & 106 & 107
Sielwall 1
Denkmaltyp:
Geschäftshaus & Wohnhaus
Eintragung:
1973
Listentext:
Ostertorsteinweg 100-107, Wohn- und Geschäftshäuser (1973)°
Sielwall 1°
Bestandteile der Denkmalgruppe:°
- Ostertorsteinweg 100, Wohn- und Geschäftshaus, um 1890 (1973)°
- Ostertorsteinweg 101, Wohn- und Geschäftshaus, um 1890 (1973)°
- Ostertorsteinweg 102, Wohn- und Geschäftshaus, um 1860 (1973)°
- Ostertorsteinweg 103, Wohn- und Geschäftshaus, um 1870 (1973)°
- Ostertorsteinweg 104, Wohn- und Geschäftshaus, um 1890 (1973)°
- Ostertorsteinweg 105, Wohn- und Geschäftshaus, um 1890 (1973)°
- Ostertorsteinweg 105A, Wohn- und Geschäftshaus, um 1890 (1973)°
- Ostertorsteinweg 106-107/Sielwall 1, Wohn- und Geschäftshaus, um 1890 (1973)°
Kurzbeschreibung:
Für die Anlage von Straßen sowie für die Errichtung von Häusern gab es bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts keine besonderen Vorschriften oder Pläne. Straßen und Wege mussten von den Anliegern unterhalten werden. Von der Stadt Bremen angelegt und gepflastert wurden zuerst nur die aus der Stadt herausführenden Ausfallstraßen, die dadurch den heute noch gebräuchlichen Namen "Steinwege" erhielten. Eine dieser Hauptverkehrsstraßen der Vorstadt, der Ostertorsteinweg und in seiner Verlängerung jenseits des Dobbens, der Steintorsteinweg, seit 1870 "Vor dem Steintor" genannt, entwickelten sich seit 1860 zu Geschäftsstraßen. Die alten Giebelhäuser am Ostertorsteinweg, die zum Teil mit dem Erdgeschoß infolge der vielfachen Erhöhungen des Steinwegs unter dem Straßenniveau lagen, machten nach und nach neuen Geschäftshäusern Platz. Dieser Veränderungsprozess war Ausdruck eines Strukturwandels in der Bremer Vorstadt: Die Aufhebung der Torsperre 1849 und staatsrechtliche Gleichstellung der Vorstadtbürger hatte die Bremer Vorstadt zu einer attraktiven Wohnlage gemacht.°
Die Geschäftsstraße Ostertorsteinweg hat sich, von wenigen Störungen abgesehen, bis heute so erhalten, wie sie sich bis zum 1. Weltkrieg entwickelt hatte. Beispielhaft für die stilistische und entwicklungstypologische Veränderung im Wohn- und Geschäftshausbau Bremens seit 1860 sind heute drei kleinere Gebäudeensemble und drei Einzelgebäude denkmalgeschützt. Da ausnahmslos alle Gebäude an Stelle einer Vorgängerbebauung, und nicht einheitlich und in einem Zuge entstanden sind, ist ein heterogenes, aber auch reizvolles Bild einer Geschäftsstraße der frühen Moderne in Bremen erhalten geblieben.°
Das früheste erhaltene Beispiel ist das kleine, lediglich zweiachsige Haus Ostertorsteinweg 102, das um 1860 erbaut worden ist. Das benachbarte, etwa zehn Jahre später errichtete Geschäftshaus Ostertorsteinweg 103 zeigt bereits den rasanten Anstieg des Raumbedarfs ebenso wie das gestiegene Repräsentationsbedürfniss der Geschäftleute am Ostertorsteinweg und ist vergleichbar mit dem 1871 an der Stelle eines älteren Doppelhauses nach Entwurf des Architekten E. Dunkel errichteten Geschäftshaus Nr. 74-75. Es sind prächtige Beispiele für den Wohlstand der Geschäftsleute in Bremen zur Zeit der Reichsgründung.°
Bei den Geschäftshäusern, die bis in die 1870er Jahre errichtet wurden, sind vor allem klassizistische Motive bei der Fassadengliederung zu beobachten; zwanzig Jahre später wird diese Tradition noch gepflegt (Nrn. 104-105A), aber es kommen im Kaiserreich um 1890 auch seinerzeit moderne Adaptionen der italienischen Renaissancearchitektur mit Eckrustizierungen und kräftigen Traufgesimsen zur Ausführung (Ostertorsteinweg 73, 100-101 und Nr. 106/Ecke Sielwall).°
Die wirtschaftliche Blütezeit um 1905 bringt große Büro- und Geschäftshäuser hervor, die von einer reichsweit operierenden Architektenschaft entworfen werden und die stilistisch von einer lokalen Tradition unabhängig sind. Diese Geschäftshäuser sind modern in ihrer Konstruktion, der inneren Raumorganisation und der Belichtung der Geschäftsräume. Die Fassadendekoration bezieht sich noch immer auf historische Vorbilder, wird jedoch stark reduziert und schöpferisch weiterentwickelt. Die Vorbilder finden sich in Berlin (Nr. 1-2; 87-89), oder auch in Amerika, wie beim Haus Ostertorsteinweg 90-90A mit seinen zwei geschoßübergreifenden Erkern (bay-windows).
Epoche:
Historismus