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Listentext:
Domshof, Stadtplatz Domshof (2025)°
Baugeschichte:
Der Domshof lag zum Zeitpunkt seiner Anlage (vermutlich vor 1300) innerhalb der Domimmunität und grenzte im Norden an die bürgerliche Siedlung. Über den Zweck, den der Platz ursprünglich zu erfüllen hatte, herrscht noch heute Ungewissheit. In frühsten kartografischen Darstellungen zeigt sich der längsrechteckige Platz bereits grundsätzlich in seiner heutigen Dimension. Er war vermutlich stets unbebaut gewesen.
Kurzbeschreibung:
Der Domshof ist der größte und zugleich einer der geschichtsträchtigsten Plätze der Bremer Innenstadt. Seine Entstehung geht auf das Hochmittelalter zurück, vermutlich vor 1300, als er innerhalb der Domimmunität zwischen Dom und bürgerlicher Siedlung angelegt wurde. Seine Zugehörigkeit war jahrhundertelang umstritten - ein Symbol für den Machtkonflikt zwischen erzbischöflicher und bürgerlicher Herrschaft. Erst mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde die Domenklave aufgelöst und der Platz vollständig in bremisches Stadtgebiet integriert. Damit wandelte sich der Domshof vom Standort der Domkurien zum bürgerlichen Zentrum. Um 1900 entwickelte sich der Domshof zu Bremens "Bankenplatz" - repräsentiert durch Bauten wie die Deutsche Bank und die Bremer Bank.°
Der stets unbebaut gebliebene Platz wurde im Laufe der Zeit immer wieder für Großveranstaltungen, Feierlichkeiten und (Stadt-)Militärparaden genutzt; während der NS-Zeit vor allem für Propagandazwecke. 1940 entstand unter dem Platz ein Tiefbunker, dessen Decke lange Zeit das Geländeniveau und die Platzstruktur bestimmte. Nach den Kriegszerstörungen erfolgte der Wiederaufbau mit einer Verschiebung der nördlichen Platzkante. Die 1980er- und 1990er-Jahre brachten neue stadträumliche Konzepte. Ein Wettbewerb von 1989 führte zum Bau des Domshof-Forums mit Glasüberdachung und Café (Joachim Schürmann, 1998) - Ausdruck einer neuen Phase der Schaffung urbaner Aufenthaltsqualität.°
Der Domshof zeigt sich heute als längsrechteckiger, zum Grasmarkt hin leicht trichterförmig zulaufender Platz von etwa 190 Metern Länge und bis zu 82 Metern Breite. Die südliche Öffnung zwischen Dom und Rathaus betont seine historische Verankerung, während die nach Norden verschobene Platzkante die Nachkriegszeit reflektiert. Der Domshof wird an seinen Längsseiten und der nordöstlichen Stirnseite durch geschlossene Randbebauung aus Bank- und Geschäftshäusern gefasst. Die Platzfläche ist weitgehend frei und mit Porphyrpflaster belegt. Zentrale Elemente der Platzanlage sind das Domshof-Forum sowie der Neptunbrunnen (Waldemar Otto, 1992), die sich als zeitgenössische Zeugnisse städtischer Raumkunst in das Bild des Platzes einfügen.°
Der Domshof besitzt herausragende Bedeutung in geschichtlicher, städtebaulicher und kultureller Hinsicht. Als größter, nahezu unverändert überlieferter Platz der Bremer Altstadt macht er die topografische Grundlage der Stadtentstehung erfahrbar: den Dünenrücken, auf dem der Dom errichtet wurde. Diese geologische Besonderheit macht den Ort zu einem Schlüssel für das Verständnis des mittelalterlichen Stadtgrundrisses. Zugleich symbolisiert der Domshof den jahrhundertelangen Kampf der Hansestadt um Autonomie gegenüber kirchlicher und landesherrlicher Macht - ein Sinnbild bürgerlicher Selbstbestimmung, das ihn neben Rathaus und Roland zu einem Ort politischer Identität macht. Zudem erfüllt er die soziologische Definition des öffentlichen Raums als Ort der Begegnung und Kommunikation. Heute dient der Platz weiterhin als zentraler öffentlicher Stadtraum, der demokratische Öffentlichkeit repräsentiert - vom Wochenmarkt bis zu Großkundgebungen wie "Laut gegen Rechts" (2024).
Quelle:
Infotafel der Landesarchäologie
Lit.-Kurztitel:
Architektur in Bremen und Bremerhaven, 1988
Lit.-Kurztitel:
Bremen und seine Bauten 1900, 1900
Lit.-Kurztitel:
Brune, Guido: Domshof - Platz der Erzbischöfe und der Banken =°
Das Rathaus und seine Nachbarn, Band II, Bremen 2006
Lit.-Kurztitel:
Grohne, Ernst: Die älteste Stadtbefestigung Bremens (Bremisches Jahrbuch 43, 1951)
Lit.-Kurztitel:
Hans Saebens. Bilder für Bremen 1930-1969, Ausst.-Kat. 2020
Lit.-Kurztitel:
Hoffmann, Hans-Christoph: Mit Augenmaß und Spitzhacke - der Wiederaufbau im Stadtkern =°
Das Rathaus und seine Nachbarn, Band II, Bremen 2006
Lit.-Kurztitel:
Lührs, Wilhelm: Der Domshof. Geschichte eines bremischen Platzes, Bremen 1979
Lit.-Kurztitel:
Syring, Eberhard: Als eine tektonische Woge eine Woge der Entrüstung auslöste =°
WK Geschichte 2017