Hinweis zur Bildergalerie: Durch Anklicken eines kleinen Bildes öffnet sich dies in einer größeren Version. Durch das Anklicken der größeren Version öffnet sich ein weiteres Fenster. Sie können dann im neu geöffneten Fenster über die Pfeiltasten in der Bildergalerie navigieren und diese dann mit ESC schließen.
Listentext:
Luisenthal 26, Villa Zehnlinden, 1914 von Hermann Deetjen
Kurzbeschreibung:
Der Architekt Hermann Deetjen schuf 1914 für den Bremer Kaufmann Max Ültzen ein Landhaus im Grünen, das sich harmonisch in die ländliche Umgebung Lehes einfügt und gleichzeitig die Ansprüche an ein damals modernes Wohnhaus erfüllte. Um dies zu erreichen, griff Deetjen auf das Vorbild traditioneller niederdeutscher Hallenhäuser zurück und übernahm u.a. deren charakteristische Dachform samt Uhlenfluchten in den Giebeln. Der Grundriss des Erdgeschosses zitiert des Weiteren die typische Raumeinteilung eines Hallenhauses: der Haupteingang an der Giebelseite, der lange Flur in Anlehnung an die landwirtschaftliche Tenne und schließlich die quer zum Flur liegende Diele mit Kaminnische, die an das Flett mit zentraler Feuerstelle erinnert. Hinter der Querwand der Diele sind - dem Kammerfach gleich - weitere Wohnräume nebeneinander angeordnet. Der betont ländliche Charakter des Gebäudes entsprach einer reformatorischen Architekturentwicklung, die um die Wende zum 20. Jahrhundert aufkam. Die bürgerliche Repräsentation spielte darin keine übergeordnete Rolle mehr, vielmehr ging es um den Ausdruck von Privatheit und den Rückzug in die Natur. Der Garten erreichte dabei eine beinahe gleichwertige Bedeutung wie das Wohnhaus.°
Das Landhaus steht darüber hinaus beispielhaft für die städtebauliche Entwicklung des Ortsteils Lehe entlang der Bahnlinie und ist ein typischer Vertreter eines Sommersitzes, wie er von Mitgliedern des Bremer Wirtschafts- und Bildungsbürgertums in den Landgemeinden vor dem Ersten Weltkrieg errichtet wurde. Bemerkenswerterweise sind alle Voreigentümer der Liegenschaft bekannt, und alle sind in die Wirtschaftsgeschichte Bremens verwoben. Das Wissen um ihre Identität trägt dazu bei, das Bild von den Wohnverhältnissen der gesellschaftlichen Schichten in der Stadt Bremen und ihren Landgemeinden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu vervollständigen.
Stil:
Heimatschutzstil & Reformstil
Objekt @ Künstler:
Entwurf
Architekt/Künstler:
Deetjen, Hermann (August Christian)
Kommentar:
1874-1933, Sohn des Architekten Hermann Deetjen sen., 1904 bis verm. 1906 Teil im Architekturbüro "Franzius & Deetjen"
Architekt/Künstler:
Max Wilhelm Ültzen (1870-1932)
Funktion:
Kaufmann im Tabak- und Kaffeehandel
Objekt @ Bez:
Eigentümer 1928-1933
Architekt/Künstler:
Friedrich Johannes ("Friedel") Lahusen (1900-1961)
Funktion:
Kaufmann und stellvertretendes Vorstandsmitglied bei Nordwolle
Kommentar:
Die Villa wurde vornehmlich von seiner Frau Gretchen Lahusen bewohnt.
Objekt @ Bez:
Eigentümer 1934-1967
Architekt/Künstler:
Hans Biebow (1902-1947)
Funktion:
Kaufmann & Leiter des Ghettos Litzmannstadt
Kommentar:
Für seine im Ghetto verübten Verbrechen wurde Biebow nach Kriegsende verhaftet und im Juni 1947 in Lodz hingerichtet. Seine Witwe Hedwig (geb. Meier, 1903 - 1965) blieb mit kurzer Unterbrechung in der Villa Zehnlinden wohnen, zusammen mit ihren Kindern, ihren Eltern und ihrer Schwester Erna Meier.
Objekt @ Bez:
Eigentümer 1967-
Architekt/Künstler:
Evangelische Kirchengemeinde Horn
Quelle:
Herstellerfirma der Wandbespannung in der Diele
Lit.-Kurztitel:
Evangelische Kirchengemeinde Horn (Hrsg.): 100 Jahre Villa Zehnlinden 1914-2014. Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Bremen-Horn, o.A. 2014Oschlies, Wolf: Das deutsche "Ghetto Litzmannstadt" im polnischen Lodz
Lit.-Kurztitel:
Von Reeken, Dietmar: Lahusen. Eine Bremer Unternehmerdynastie, Bremen 1996Koppel, Michael: Horn-Lehe-Lexikon. Vom "29. Statut" bis "Zur schönen Aussicht", Bremen 2012
Stelle:
"Luisental" & "Zehnlinden"