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Straße:
Luxemburger Straße 29
Heinrich-Plett-Allee 27
Denkmaltyp:
Gemeindezentrum & Kirche
Listentext:
Luxemburger Straße 29, Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrum, 1966-1971 von Carsten Schröck und Frei Otto (2019)°
Heinrich-Plett-Allee 27
Kurzbeschreibung:
Das Gemeindezentrum der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde wurde 1968-1971 nach Entwürfen des Bremer Architekten Carsten Schröck (1923-1973) für eine Neubaugemeinde am Rande einer großen GEWOBA-Siedlung im Bremer Stadtteil Huchting erbaut.°
Charakteristisch für Schröcks Schaffen ist das Streben nach entschieden modernen, spektakulären Gebäudeformen. Er wurde vor allem durch den Bau von Kirchen und Gemeindezentren bekannt, die zu den besten Vertretern im Kirchenbau der Nachkriegsmoderne in Bremen gehören. Schröck gehört zu den ersten Architekten weltweit, die Seilnetzkonstruktionen verwendeten. Diese entstanden in Zusammenarbeit mit Frei Otto, dem legendären Pionier leichter Flächentragwerke. Der "Mehrzweckraum" des Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindezentrums gewinnt sein außergewöhnliches, zeltähnliches und expressiv-skulpturales Aussehen durch die Eigenschaft als Seilnetzdachkonstruktion. Das Seilnetz ist hier zwischen zwei hohen und drei niedrigen Betonpylonen als komplex antiklastisch gewölbtes Dach eingespannt und überdacht ein konstruktiv selbständiges Seitenwandgehäuse.°
Schröck hat zeitlebens in Zusammenarbeit mit experimentierfreudigen Gemeinden wiederholt unkonventionelle Architekturformen für neue Arten christlicher Versammlungen erprobt. In besonderer Weise trifft das auch auf das Gemeindezentrum der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde zu. Ihr Pastor war der radikal neue Wege beschreitende Wolfgang Schiesches (1931-2010). Die von Schiesches gewählte Namensgebung der Gemeinde bezog sich auf Bonhoeffers moderne theologische Ansätze einer "nichtreligiösen Interpretation des Evangeliums". Im Gefolge der 68er-Bewegung schaffte Schiesches 1968 sogar den traditionellen Gottesdienst als vermeintlich unzeitgemäße christliche Versammlungsform ab und trug fortan keinen Talar mehr. Die Radikalität des Pastors führte schließlich 1972 zur Suspendierung und 1975 zur Amtsenthebung durch die Bremische Evangelische Kirche, ein bis dato und seither beispielloser Vorgang. Bezeichnenderweise gehören die Bauten der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde der Gattung der "gestaltprofanierten Gemeindezentren" an, die nicht mehr auf Anhieb eindeutig als kirchlich erkennbar sein wollten. Sie folgten den Tendenzen zu einer "Entsakralisierung" des Kirchenbaus, wie sie der evangelische Kirchenbautag 1969 empfohlen hatte.
Objekt @ Künstler:
Entwurf
Architekt/Künstler:
Otto, Frei
Objekt @ Künstler:
Entwurf
Architekt/Künstler:
Schröck, Carsten
Herkunft:
Archiv AS2 Schomers Schürmann
Quelle:
Nacherfassung Ricci 2015-2016
Quelle:
Schürmann, Philipp: Dreifaltigkeit. Die Architektur von Carsten Schröck, Bachelorabschlussarbeit an der msa 1 münster school of architecture 2010
Herkunft:
Kontakt Philipp Schürmann: 017623830104
Lit.-Kurztitel:
Bremen und seine Bauten 1950-1979, 2014
Lit.-Kurztitel:
Carsten Schröck: Architektur einer Hafenstadt, Delmenhorst/Berlin 2007
Stelle:
57-58, 124-125, 194-195
Lit.-Kurztitel:
Leichtes Zelt und feste Burg, 2009
Lit.-Kurztitel:
Syring, Eberhard: Carsten Schröck. Protagonist des modernen Kirchenbaus in Bremen =°
Denkmalpflege in Bremen, Heft 6, Bremen 2009