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Bremer Stuhlrohr-Fabrik Menck, Schultze & Co.

OBJ-Dok-nr.: 00001877





Stadt:
Bremen
Bezirk:
West
Stadtteil:
Findorff
Ortsteil:
Findorff-Bürgerweide
Straße:
Admiralstraße 96
Herbststraße
Denkmaltyp:
Gewerbebau & Fabrik
Eintragung:
2010
Listentext:
Admiralstraße 96, Bremer Stuhlrohr-Fabrik Menck, Schultze & Co., um 1903
Herbststraße
Kurzbeschreibung:
Die Entstehung der Bremer Stuhlrohr-Fabrik Menck, Schultze & Co. geht auf das Jahr 1876 zurück. Damals befanden sich das Handelskontor und eine vergleichsweise kleine Hinterhoffabrikation im Philosophenweg 22 in der Bahnhofsvorstadt. Mit der großen Stuhlrohrfabrik an der Admiralstraße expandierte die Firma am Ausgang des 19. Jahrhunderts in mehreren Bauabschnitten. Mit dem zuletzt um 1903 fertig gestellten, heute noch dreigeschossig erhaltenen Eckgebäude zur Herbststraße (Haus 1), verlegte Menck, Schultze & Co. auch die Hauptverwaltung und das Kontor an die neue Geschäftsadresse Herbstraße 31. Die ursprünglich um ein Vielfaches größere Industrieanlage ist ein Zeugnis der florierenden Stuhlrohrfabrikation in Norddeutschland an der Wende zum 20. Jahrhundert. In zahlreichen Stuhlrohrfabriken wurde damals das so genannte Spanische Rohr verarbeitet, das heute eher unter der englischen Bezeichnung "Rattan" geläufig ist.
Die Neubauten der Bremer Stuhlrohr-Fabrik Menck, Schultze & Co. entstanden um 1890 auf dem Gelände der so genannten "Plantage" in der Vorstadt nördlich des Bahnhofs. Der Kaufmann Eberhard von Hoorn hatte hier um 1750, also lange vor der Entstehung des Eisenbahnverkehrs, einen Landsitz mit einem für seine exotischen Gehölze berühmten Garten eingerichtet, der dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Ausflugslokal genutzt worden war. Die Errichtung des Hannoverschen Bahnhofs im Jahr 1847, der dann nur wenige Jahrzehnte später 1889 durch den sehr viel größeren Hauptbahnhof ersetzt wurde, ließ das Gelände dann für den Wohnungsbau (besonders für Angehörige der Eisenbahn), aber auch für die Industrieansiedlung interessant werden. Zwischen 1863 und 1870 entstanden die ersten Wohnhäuser am südlichen Rand dieser Gartenanlage in den Straßen Plantage, Buschstraße und Jägerstraße und bilden dort heute die "Urzelle des heutigen Findorff" (Mester). Zuvor war dieses Gelände bis zu den von Gräben durchzogenen Flächen des Blocklandes ständig durch Hochwasser bedroht und daher fast ausschließlich landwirtschaftlich genutzt gewesen. Das ursprünglich wohl parkartige Gelände zwischen der Straße Plantage und der Goesselstraße wurde nun von der Torfstraße (später Findorffstraße) erschlossen und von zahlreichen Gewerbetreibenden, besonders von Fuhrwerksunternehmern, genutzt. Hier entstand aber auch um 1890 die Stuhlrohrwäscherei von Menck, Schultze & Co. in der Tiefe des Grundstücks mit der Adresse Torffstraße 3A. Die Admiralstraße und auch der südliche Teil der Herbststraße waren zum damaligen Zeitpunkt lediglich projektiert und sind vermutlich erst zusammen mit dem Verwaltungsflügel von Menck, Schultze & Co. angelegt worden.
Der um 1903 entstandene, dreigeschossige Gewerbebau ist ein typisches Beispiel aus der Zeit fortgeschrittener Industrialisierung nach der Jahrhundertwende, als moderne Konstruktionsformen wie der Eisenbetonskelettbau eine maschinelle Produktion mit hohen Deckenlasten auch in den Obergeschossen ermöglichten und gleichzeitig flexible Grundrisse für eine ständige Anpassung an neue Produktionsabläufe sorgten. Für die Außenarchitektur dieser Gewerbebauten hatte man um 1900 schon Grundmuster entwickelt, die ursprünglich aus dem Gestaltungsvokabular einfacher öffentlicher Architektur abgeleitet worden waren, später aber für die neuen Bauaufgaben im Industriezeitalter wie Bahnhöfe, Elektrizitätswerke oder Schlachthöfe von renommierten Architekten nochmals "veredelt" wurden. Der Fassadenaufbau der Stuhlrohrfabrik ist einfach und überzeugend stimmig proportioniert: geschossübergreifende Bögen gliedern die Fassade an der Admiralstraße und schließen leicht zurückversetzt auf jedem Geschoß zwei durch einen Segmentbogen abgeschlossene Fenster ein. Das Fassadenmaterial besteht aus dem im Industriebau wegen seiner Dauerhaftigkeit gern verwendeten Klinker, die Brüstungsfelder der Fenster sind dagegen weiß verputzt und sorgen für einen ausgewogenen Gesamteindruck der Fassade. Besonders hervorgehoben ist die Ecke des Gebäudes an der Hertzstraße, wo sich im 1. Obergeschoss die Räume der Verwaltung und des Kontors der Fabrik befunden haben. Hier sind auch im Inneren Ausstattungselemente wie Türen, Zargen, Wandverkleidungen oder Kapitellausbildungen an Stützen deutlich aufwendiger hergestellt als im übrigen Gebäude. Die Verwaltungsebene war hier ursprünglich auch an den Kreuzstockfenstern mit kleinteilig gesprosstem Oberlicht ablesbar, wie überhaupt dieser "Kopfbau" der Fabrik durch heute nicht mehr erhaltene Turmausbildungen über den Ecken und einen mit Werkstein verkleideten Erker besonders nobilitiert worden ist. Im Zweiten Weltkrieg sind erhebliche Teile der Stuhlrohrfabrik zerstört worden. Besonders die um 1890 errichteten Bauabschnitte sind ganz zerstört oder nur eingeschossig wieder aufgebaut worden.
Epoche:
Historismus & Jahrhundertwende
Art Dat.:
Herstellung
 Num.-Dat.:
um 1903
Sozietät:
Bauherr
 Sozietät Name:
Bremer Stuhlrohr-Fabrik Menck, Schultze & Co.
Lit.-Kurztitel:
Die Stuhlrohrfabriken in Bergedorf =
Dreckmann, Alfred (Hrsg.): Bergedorfer Industrie in Texten und Bildern, Band I, Bergedorf 1992
 Stelle:
159-175
Lit.-Kurztitel:
Mester, Hans-Peter: Findorff 1860-1945 - ein photographischer Streifzug, Bremen 1999
 Stelle:
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Rechteinformation:
Copyright by Landesamt für Denkmalpflege Bremen