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Amtsgericht Blumenthal

OBJ-Dok-nr.: 00002051





Stadt:
Bremen
Bezirk:
Nord
Stadtteil:
Blumenthal
Ortsteil:
Blumenthal
Straße:
Landrat-Christians-Straße 65 & 65A & 67 & 69
Denkmaltyp:
Amtsgericht & Gefängnis
Eintragung:
2010
Listentext:
Landrat-Christians-Straße 65/69, Amtsgericht Blumenthal, 1896-1899, Erweiterung 1913-1914 (2010)
Bestandteile der Gesamtanlage:
- Landrat-Christians-Straße 69, Dienstvilla, 1896
- Landrat-Christians-Straße 65/67, Amtsgericht, 1897-1899
- Landrat-Christians-Straße 65A, Gerichtsgefängnis, 1913-1914 von Wihsmann und Cohn
Kurzbeschreibung:
Die Gerichtsbarkeit in Blumenthal wurde mit der Einrichtung des Amtes Blomendal aufgenommen und reicht bis in das Jahr 1436 zurück. Erst 1852 kam es zur Trennung von Verwaltung und Justiz, auch wenn beide Instanzen im Landratsamt (Haus Blomendal) ihren Sitz behielten. Das Gericht mit einem kleinen Schöffensaal war dort in einem der Nebengebäude, der späteren bäuerlichen Werkschule, untergebracht.
Der Neubau des Gerichtsgebäudes war an der Wende zum 20. Jahrhundert durch den rapiden Bevölkerungszuwachs im Zuge der Industrialisierung Blumenthals notwendig geworden. Als Baugrundstück wählte man ein öffentliches Grundstück an der Langenstraße (heute: Landrat-Christians-Straße) gegenüber der Evangelisch-reformierten Kirche aus, auf dem sich seit 1844 das Gefängnishaus befand. Noch bevor die Bauarbeiten für das neue Amtsgericht begonnen wurden, entstand hier schon 1896 eine repräsentative Dienstvilla für den Amtsrichter. Das zweigeschossige Wohnhaus über annähernd quadratischem Grundriss erfüllte mit seiner (zumindest zur Hauptstraße hin) aufwendig in Bauformen der Neorenaissance gestalteten Fassade eine alte Forderung des Regierungspräsidiums in Hannover nach einem der gesellschaftlichen Stellung des Amtsrichters angemessenen Wohnsitz. In einer Wandnische neben dem Haupteingang, gut von der Straße sichtbar, mahnte den Richter stets eine Justitia an die Grundsätze seines Berufs.
Das neue Gerichtsgebäude wurde 1897-1899 unter Einbeziehung des vorhandenen Gefangenenhauses errichtet. Dem nach Vegesack weisenden Zellentrakt gliederte man einen deutlich größeren Mitteltrakt an, durch dessen schmuckvolles Portal mit Vorhalle ein großzügiges Treppenhaus und der im Obergeschoß befindliche Schöffensaal erreicht werden konnten. Der an den Mittelbau auf der anderen Seite anschließende Flügel war der Verwaltung vorbehalten und enthielt auch die Diensträume für insgesamt zwei Richter und eine Gerichtsdienerwohnung. Der Bau konnte am 11. Februar 1899 als Amtsgericht Blumenthal eingeweiht werden. Im Vergleich zum sehr konservativen Gestus der Neorenaissancearchitektur der Villa nahm der Entwurf für das Gerichtsgebäude damals ganz neue Reformtendenzen auf, die eine Erneuerung der Architektursprache mit der Rückbesinnung auf lokale Bautraditionen suchten. Die Verwendung neugotischer Zierelemente, die für das Portal und besonders zur Nobilitierung des Schöffensaals im Obergeschoß verwendet wurden, sind zu verstehen als eine Ehrerbietung gegenüber dem damals noch jungen Neubau der evangelisch-reformierten Kirche.
Der erste grundlegende Umbau des neuen Amtsgerichtsgebäudes in den Jahren 1914-1915 stand im Zusammenhang mit der Errichtung eines eigenständigen Gefängnistrakts in der Grundstückstiefe. Die Zellen im Hauptgebäude wurden jetzt in Geschäftsräume umgewandelt und die Fenster im Obergeschoss auf das Maß im Erdgeschoss vergrößert. Vermutlich wurde bei diesem Umbau auch der anfangs vorhandene separate Eingang zum Zellentrakt in ein Fenster umgewandelt.
Das neue Gerichtsgefängnis war 1913-1914 nach Entwürfen der Regierungsbaumeister Wihsmann und Cohn vom Hochbauamt Geestemünde mit einzelnen Abteilungen für Schwerverbrecher im Kellergeschoß, einem Männergefängnis mit 35 Zellen auf drei Ebenen und "Männerspazierhof", dem kleineren Frauengefängnis mit sechs Zellen und "Frauenspazierhof", einem Betsaal, einer Küche und einer Wohnung für den Gefängnisaufseher errichtet worden. Die Architektur ist ebenso wie jene des Hauptgebäudes von den Reformideen der Jahrhundertwende geprägt, nur zeigt sich beim Gerichtsgefängnis bereits ein akademischer, reifer Stil. Bezüge zur regionalen Architekturtradition treten zurück gegenüber einer allgemein malerischen Disposition, die auf Stilzitate des Historismus verzichtet. Der zweihüftige, von einem Mittelgang erschlossene Bau zeigt besonders mit der Fassade zum Amtsgericht eine ausgewogene Anordnung der nach außen selbstständig in Erscheinung tretenden Gebäudeteile Treppenturm, Betsaal und Küche. Besonders der Betsaal ist wirkungsvoll als Risalit aus der Gebäudekubatur herausgerückt und mit einer Fenstergruppe hervorgehoben.
Baugeschichte:
1896: Dienstvilla des Richters
1897-99: Hauptgebäude unter Verwendung der Grundmauern des vorhandenen Gefangenenhauses von 1844 errichtet
11.2.1899 als Amtsgericht Blumenthal eingeweiht
1914-15 Umbau: Gefängnisbereich des Amtsgerichts wird in einen Neubau verlegt, Zellen zu Geschäftsräumen umgebaut;
1918 Amtsgericht Blumenthal Mittelpunkt des Kreises Osterholz
1939 Ausgliederung aus Preußen und Eingemeindung der im Gerichtsbezirk liegenden Gemeinden Grohn, Schönebeck, Aumund, Blumenthal und Farge
seit 1.1.1943 Bremisches Amtsgericht
14.7.1945 Wiederaufnahme der Tätigkeit auf Anweisung der amerikanischen Militärbehörde
1959 Ausbau DG zu Büroräumen
Art Dat.:
Herstellung
 Num.-Dat.:
1897-1899 & 1914
Objekt @ Künstler:
Entwurf
 Architekt/Künstler:
Wihsmann
 Rank:
Regierungsbaumeister
 Geltungsdauer:
1914
 Kommentar:
Hochbauamt Geestemünde
Objekt @ Künstler:
Entwurf
 Architekt/Künstler:
Cohn
 Rank:
Regierungsbaumeister
 Geltungsdauer:
1914
 Kommentar:
Hochbauamt Geestemünde
Lit.-Kurztitel:
Halenbeck, L.: Zur Geschichte der Stadt Vegesack, Blumenthal und Schönebeck, Bremen 1878, hier Kap. 3. Das Amt Blumenthal
 Stelle:
32-48
Lit.-Kurztitel:
Hoops, H.: Geschichte der Börde Lesum, Bremen 1909
 Stelle:
35-61, ins. 58 ff
Lit.-Kurztitel:
Steilen, D.: Geschichte der Hafenstadt Vegesack, Bremen 1925
 Stelle:
..
Lit.-Kurztitel:
Fiedler/Havighorst: Das alte Blumenthal in Bildern, Bremen 1982
 Stelle:
148 Abb. 222
Rechteinformation:
Copyright by Landesamt für Denkmalpflege Bremen