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Thieles Garten

OBJ-Dok-nr.: 00003410





Stadt:
Bremerhaven
Bezirk:
Nord
Stadtteil:
Leherheide
Ortsteil:
Leherheide-West
Straße:
Mecklenburger Weg 100
Denkmaltyp:
Garten
Eintragung:
2010
Listentext:
Mecklenburger Weg 100, Thieles Garten, ab 1925 von Gustav Thiele und Georg Thiele (2009)
Kurzbeschreibung:
Gustav und Georg Thiele erwarben das Grundstück am Mecklenburger Weg im Jahr 1923, zu einem Zeitpunkt, als Leherheide noch ein kaum besiedeltes Moor- und Heidegebiet war. Gustav (1877-1969) war Holzschnitzer, gelernter Geiger, praktizierte als Fotograf und hatte sich im Selbststudium zum Bildhauer ausgebildet, worin er seine wahre Berufung sah. Sein neun Jahre jüngerer Bruder Georg (1886-1968) hatte eine Ausbildung als Fotograf und unterhielt mit ihm gemeinsam seit 1904 ein Fotoatelier in der Leher Hafenstraße. Georgs Leidenschaft galt der Malerei. 1929 heiratete er Grete Itzen (1905-1990), die sich wie ihr Mann der Malerei widmete. Sie hat beiden Brüdern für deren Bildwerke unzählige Male Modell gestanden.Die Brüder begannen etwa 1925 das zunächst 6000 m² große Terrain mit hohem Aufwand in einen Skulpturengarten mit Brunnenanlagen und Staffagen zu verwandeln. Ihren Wohnsitz behielten die Thieles weiterhin in der Stadt. Der neu angelegte Garten in der Leher Heide diente den beiden Autodidakten als Freiluftatelier, das Gustav ermöglichte, eine unbegrenzte Zahl naturalistischer Skulpturen zu schaffen, für die Georg die Gartenanlage als ein stimmiges Gesamtbild anlegte. Im Verlaufe von vierzig Jahren pflanzten sie eine höchst individuelle Parkflora, darunter auch seltene Exoten. Ein seit 1944 auch als ständiger Wohnsitz genutztes Wohnhaus mit Galerie errichteten sie 1930 im "maurischen" Stil und daneben eine "Moorkate" als Gästehaus und Atelier.
Der älteste, ursprüngliche Teil von Thieles Garten wird erschlossen von einem für landschaftliche Anlagen dieser Art typischen, geschwungenen, sich an mehreren Stellen teilenden Wegesystem, in dessen Zentrum sich das Maurische Haus befindet. Im Anschluss an das Haus liegt, in der Geländemodellierung etwas tiefer situiert, ein Gartentempel mit einem kleinen Teich, zu dem eine zweiläufige Treppe mit einem Zwischenpodest hinabführt. Vor dem Tempietto steht als weiblicher Akt eine "Sonnenanbeterin", ein Motiv, das stark vom "Lichtgebet" des Malers Hugo Höppener (1868-1948), genannt Fidus, beeinflusst ist und als eines der ältesten Ausstattungsteile des Gartens dessen Gründung auch in einen Zusammenhang mit den lebensreformerischen Ideen zu einer naturgemäßen Lebensweise und Freikörperkultur stellt.
Gustav Thiele hat für seine Skulpturen aus Kostengründen durchweg Zement verwendet, der auf ein Drahtgeflecht des inneren Stützwerks für die Ausformung der einzelnen Körperpartien aufgelegt wurde. Bemerkenswert ist die Methode der Aufwertung und Konservierung dieser Kunststeinfiguren mit einem Anstrich aus Firnis und Pottasche, mit der er ihnen das Aussehen von Bronze verlieh. Bei der Restaurierung der Skulpturen ist man heute dazu übergegangen, alle Skulpturen in dieser Art zu fassen, um sie dauerhaft vor den Witterungseinflüssen zu schützen.
Die Thieles hatten ihren Skulpturengarten zunächst allein für sich selbst und ihre Gäste gestaltet. Erst nach Kriegsende, nachdem das Photoatelier bei Luftangriffen zerstört worden war, öffneten sie den Garten gegen ein geringes Entgelt als "Gebrüder Thieles Skulpturengarten" der Öffentlichkeit, und boten ihre Bildwerke auch zum Verkauf an. Eine Veräußerung des gesamten Areals an die Stadt scheiterte damals am entschiedenen Veto des Kunstvereins. Stattdessen erwarb 1954 der Bauunternehmer Heinrich Kistner als Mäzen das Gelände und räumte den drei Künstlern eine Leibrente ein. Der Garten wurde nun dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und um ein Vielfaches auf 19.000 m² erweitert. An einigen Sommertagen spazierten bis zu 2000 Besucher durch den Bildgarten; zudem gab es ein reges Veranstaltungsprogramm.
Der 1952 hinzugekommene Teil des Gartens ist anders als der ursprüngliche Skulpturengarten mehr auf eine öffentliche Nutzung hin angelegt worden. Die Arbeiten der Thieles mit Unterschützung des Bauunternehmers Kistner dauerte bis in die späten 1960er Jahre an. Die Grenze zum alten Parkteil markierte die Pergola mit der Terrasse, wo schon in den 1950er Jahren Gäste an den Wochenenden mit Kaffee und Kuchen bewirtet werden konnten; der Pavillon an dieser Stelle wurde jedoch erst 1990 errichtet. Die gärtnerische Gestaltung in diesem Teil ist deutlich großzügiger. Um einen großen und zwei kleinere Teiche führt ein geschwungener Rundweg durch ein mit dem Aushub der Teiche abwechslungsreich modelliertes Gelände. Ein kahler Felsen aus Findlingen und Beton, scherzhaft "Thiele-Massiv" genannt, zwei Brücken und verschiedene Bänke gliedern die Gartenlandschaft. Natürliche Verwilderungs- und Verjüngungsprozesse haben das ursprüngliche Bild verändert, - so ist beispielsweise das "Thiele-Massiv" heute bewachsen - ohne dass das stimmungsvolle Gesamtbild dadurch beeinträchtigt worden ist. In die Vegetation sind in der für Landschaftsgärten typischen Weise eine Vielzahl fremdländischer Gehölze integriert. Das botanische Prachtstück ist dabei sicherlich der chinesische Taschentuchbaum an der Caféterrasse.
Nach dem Tod der Brüder Thiele (1968 und 1969) hat Grete Thiele 1971 den Garten und das Café geschlossen; die Attraktivität hatte zu diesem Zeitpunkt bereits nachgelassen und der Vandalismus überhand genommen. 1985 erwarb die Stadt Bremerhaven das Anwesen. Das Gartenbauamt, seither verantwortlich für die Pflege der Anlagen und Skulpturen, arbeitet mit dem 1987 gegründeten Förderverein Thieles Garten e.V. zusammen, der die Erhaltung und Bewahrung des künstlerischen Erbes der Thieles zum Ziel hat.
Baugeschichte:
Bauakte beginnt erst 1953
1990: Errichtung des Pavillons für kulturelle Veranstaltungen
Epoche:
Zwischenkrieg
Art Dat.:
Herstellung
 Num.-Dat.:
ab 1925
Objekt @ Künstler:
Entwurf
 Architekt/Künstler:
Thiele, Gustav & Thiele, Georg
Lit.-Kurztitel:
Litfin, Bärbel: Thieles Park. Brüder schufen einen kleinen Garten Eden =
Nordsee-Kalender 1984
 Stelle:
82-85
Lit.-Kurztitel:
Wolff, Willy: Thieles Park. Natur und Kunst am Rande der Seestadt Bremerhaven =
Jahrbuch der Männer vom Morgenstern 65 (1986)
 Stelle:
249-264
Lit.-Kurztitel:
Gabcke, Bremerhaven in zwei Jahrhunderten, Band II, 1991
 Stelle:
28-29
Lit.-Kurztitel:
Wolff, Willy: Thieles Garten. Barometer der Natur inmitten eines großen Wohngebiets. Was der Frühling dort sprießen läßt =
Nordsee-Kalender 49 (1997)
 Stelle:
87-90
Lit.-Kurztitel:
Wolff, Willy: Duft der Linden und Blüte des Tulpenbaums am See. Die Reize des Sommers in Thieles Garten in Leherheide =
Nordsee-Kalender 50 (1998)
 Stelle:
62-64
Lit.-Kurztitel:
Wolff, Willy: Mit Samen der Roßkastanie beginnt der Herbst. Spiel der Farben, Sprache der Vögel in Thieles Garten =
Nordsee-Kalender 51 (1999)
 Stelle:
69-72
Lit.-Kurztitel:
Kirschstein, Werner (Red.): Seestadt Bremerhaven. Historische Bauwerke einer Hafenstadt, Bremerhaven 2001
 Stelle:
76
Lit.-Kurztitel:
Schwartz, Uwe: Kurioses Kunstwerk: Thieles Garten in Bremerhaven =
Denkmalpflege in Bremen, Heft 8, Bremen 2011
 Stelle:
78-81
Rechteinformation:
Copyright by Landesamt für Denkmalpflege Bremen